Kolowrat
Treu und beständig
Schloss Rychnov nad Kněžnou
Auszüge aus der Familiengeschichte der Grafen Kolowrat
Über dem Ursprung dieses alten, tschechischen Adelsgeschlechtes, der Grafen Kolowrat, liegt ein undurchdringlicher Nebel alter Sagen und Legenden. Ganz im Gegensatz zur Entstehung des Namens (er setzt sich aus „kolo“ - das Rad und „vrať“ – zurück zusammen), dem zu Folge ein Mann dem Sohn des Königs dadurch das Leben rettete, indem er die Radachse der Kutsche fassen konnte, als die Pferde durchgingen – und so erhielt das Geschlecht den Namen Kolowrat.
Das Wappen mit dem rot-silbernen Adler auf blauem Hintergrund, dem später die Devise „věrně a stále“ – in „immerwährender Treue“ hinzugefügt wurde, ist bereits im Jahre 1205 belegt. Treu hielten die Kolowrats zu ihrem böhmischen Vaterland, dem Herrscher und Gott.
Albrecht von Kolovrat
Albrecht von Kolovrat (1347–1391) rettete Kaiser Karl IV. in Pisa das Leben und wurde so zum Begründer des Familienruhmes. Er stiftete dem Orden der Augustiner in den Wäldern von Ročov ein Kloster, in dem er auch bestattet ist. Seit damals beginnt, wann immer ein Unglück in der Familie geschieht, sein Grabstein zu „weinen“.
Albrecht Libštejnský von Kolovrat
In der Schlacht am Weißen Berg (1620) kämpfte Albrecht Libštejnský von Kolovrat auf katholischer Seite, und konnte so die Herrschaft Rychnov erwerben. Trotz ihres europäischen Aufstiegs vergaßen die Kolowrats nie ihre böhmischen Wurzeln. Dies belegt auch die große Sammlung tschechischer Werke in der Schlossbibliothek.
František Antonín Libštejnský von Kolovrat
František Antonín Libštejnský von Kolovrat (1778–1861), der letzte dieses Familienzweiges, war wohl der bedeutendste Politiker der Familie. Unter Kaiser Franz I. bekleidete er das Amt des Staats- und Konferenzministers und wurde so auf dem Wiener Kongress zum liberalen Gegenspieler Fürst Metternich, sowie 1848 der erste konstitutionelle Ministerpräsident der österreichischen Monarchie. Als leidenschaftlicher Patriot gründete er das Nationalmuseum in Prag, schenkte ihm Seine mineralogische Sammlung sowie 35.000 Bücher. Im Schloss Rychnov hinterließ er eine wertvolle Freimaurerliteratur-Sammlung.
Vilém Albrecht Krakovský von Kolovrat
An bedeutenden Männern ist auch der Familienzweig Krakowský nicht arm. Die fünfte Gattin von Vilém Albrecht Krakovský von Kolovrat (1600–1688), Ludmilla Eva Franziska, eine schon ältere, nicht sehr hübsche, dafür aber sehr reiche Dame, schenkte ihr Brautkleid, das mit 6222 Diamanten verziert war, nach der Trauung dem Prager Loreto (www.loreta.cz). Johann Fischer von Erlach entwarf aus diesen Diamanten die berühmte Prager Sonnenmonstranz, das wertvollste, tschechische, barocke Kleinod, das auch heute noch in der Schatzkammer dieses Prager Wallfahrtsortes zu bewundern ist.
Norbert Leopold Krakovský von Kolovrat
Eine schillernde Gestalt des tschechischen Barocks war Norbert Leopold Krakovský von Kolovrat (1728–1809), der zu seiner Zeit wohl zu den hässlichsten Männern zählte. Sein unschönes Aussehen wurde jedoch durch seinen außergewöhnlichen Geist ausgewogen, den auch Kaiserin Maria Theresia hoch schätzte. Er wurde Kanzler, ihr Vertrauter und später Innenminister. Ihr Briefwechsel ist voll gegenseitiger Gewogenheit. Eigenhändige Briefe von Maria Theresia finden sich u.a. auch im Familienarchiv in Rychnov.
Jan Nepomuk Karel Krakovský von Kolovrat
Jan Nepomuk Karel Krakovský von Kolovrat (1794–1872), genannt Hanuš, Patriot und Philantrop, wurde von Božena Němcová, einer berühmten tschechischen Autorin, in ihrem Roman „Pohorská vesnice“ als Graf Březenský verewigt. Die kommunistische Propaganda bezeichnete dieses Werk als schlecht und zu idealisiert, da seine darin beschriebene Liebe zu den armen Leuten, sowie sein Arbeitseinsatz ihrer Vorstellung vom Adel widersprach.
Alexander Kolowrat, genannt Sascha
Kein Wunder dass der Sohn des Duellanten und der Tabakbaronin, Alexander Kolowrat, genannt Sascha, (1886–1927) das heißblütige Temperament seiner Vorfahren geerbt hat. Er war gebildet, ehrgeizig, und dabei bescheiden in seinem Auftreten. Die Verkörperung des Adels der modernen Zeit. Als Rennfahrer gewann er zahlreiche Rennen. Porsche benannte nach ihm den Sascha-Rennwagen. 1913 gründete er in Wien die Sascha-Filmfabrik und wurde zum Filmpionier in zahlreichen Filmgenres.
Kryštof Kolowrat Krakowský Liebsteinský
Kryštof Kolowrat Krakowský Liebsteinský (1927–1999), dem nach dem Krieg das Majoratsrecht zufiel, verwaltete den Besitz Rychnov bis er auf Grund seiner antikommunistischen Haltung nach 1948 einige Monate in Haft verbrachte, um ein paar Jahre später erneut wegen antipolitischer Aktivitäten inhaftiert zu werden und in einem Kohlebergwerk zu arbeiten. Nach dem Prager Frühling musste die Familie nach Österreich emigrieren. Doch auch in ihrer neuen „Heimat“ war es nicht einfach, eine Existenz aufzubauen. Trotz seiner bereits angeschlagenen Gesundheit und seines Alters nahm er nach der Wende die schwere Aufgabe auf sich, den Besitz zu restituieren und neu aufzubauen.
Jan Egon Kolowrat Krakowský Liebsteinský
Heute verwaltet sein Sohn Jan Egon Kolowrat Krakowský Liebsteinský (geb. 1958) die Besitzungen. Seine Gattin war eine ausgezeichnete Ärztin in Wien, die sich mehrere Jahre der Onkologie widmete. Nach der Heirat gab sie ihren Beruf auf, folgte ihrem Mann nach Rychnov und lernte Tschechisch. Ihre beiden aufgeweckten Kinder können sich nicht vorstellen wo anders zu leben, als dort, wo ihre Vorfahren seit Jahrhunderten ansässig waren.
Geschlechtsname…
Ein starker Mensch, der die Radachse von der schußlichen königlichen Kutsche gafasst hat, dadurch hat er kleinen Sohn des Königs vor sicherem Tod gerettet. Aus Worten „kolo“ - das Rad und „vrať“ – zurück zusammen wurde Geschlechtsname abgeleitet…
